Auf Umwegen zum Ziel - Interview mit David Ketterer

Skiverbände Baden-Württemberg
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Dienstag, 21 Februar 2017

Auf Umwegen zum Ziel - Interview mit David Ketterer

„Der etwas andere Weg in den alpinen Ski Weltcup“ / David Ketterer (SSC Schwenningen) fährt die beiden WC Klassiker Kitzbühel und Schladming. Sein ehemaliger Trainer bei der SBW Manfred Sturm hat bei David nachgefragt.

David Ketterer (Jahrgang 1993) ist aktuell im DSV in der LG 1 B Kadergruppe, studierte in Innsbruck BWL im 3. Semester und hat im Herbst nach Prüfungsende ein Stipendium an der Colorado University in Boulder erhalten. Dort studiert er nun Ingenieurwesen und kann unter professionellen Bedingungen trainieren und Rennen fahren. Mit dem dortigen UNI College Team fährt er die amerikanische NORAM - Rennserie (analog dem Europa Cup…!)und FIS Rennen. Sehr erfolgreich verliefen die Rennen in Utah bisher mit drei Siegen im Slalom, seiner Spezialdisziplin, so dass der DSV ihn kurzerhand für die beiden Slalom Klassiker in Kitzbühel und Schladming, vor jeweils 40 000 Zuschauern, nominierte….!! Seine Eindrücke und Ausblicke schildert er hier in Kürze in einem Kurzinterview mit Ex Coach Manfred Sturm:

SBW: Hi David, wo erwischen wir Dich gerade, wie geht es Dir in den USA – Du bist ja aktuell erfolgreich unterwegs…?
DAVID: Ich bin gerade „zuhause“ in Boulder und habe an der Uni viel zu tun, um den verpassten Stoff nachzuholen. Es ist ziemlich stressig, aber genau das, wofür ich rübergekommen bin! Die Saison läuft bisher sehr gut, ja!
SBW: Was ist neu, was ist anders für Dich in den USA, wir denken, Du musst viel selbst organisieren und regeln? Wie läuft es mit Training, Wettkampf und UNI bei Dir, wie schaffst Du den MIX…?
DAVID: Ich bin von sportlicher Seite auf jeden Fall mehr auf mich selbst gestellt als die letzten Jahre in der Europacupmannschaft. Auch mein Tagesablauf ist ein ganz anderer, die meisten Tage sind zweigeteilt in Uni und Sport. Ich genieße es sehr, nach dem Training meinen Kopf noch für andere interessante Dinge benutzen zu können, auch wenn es manchmal angenehmer wäre, ins Bett zu liegen.
SBW: Die ganze ‚SBW Gang‘ hat sich über Deine Nominierung für die beiden WC’s in Kitzbühel u. Schladming gefreut, wie hast Du es erfahren, warst Du überrascht und wie warst Du zufrieden mit Deinen beiden Läufen?
DAVID: Ich bin nachts von College Rennen in Utah heimgekommen und am nächsten Morgen hat der Bundestrainer Mathias Berthold angerufen. Ich habe mich extrem gefreut und direkt Flüge für den nächsten Tag gebucht. Skifahrerisch war ich nicht zufrieden mit den zwei Rennen. Ich weiß, was ich in Zukunft anders machen muss.
SBW: Der Nachtslalom in Schladming , vor 40 000 Leuten, war bestimmt ein besonderes Race, konntest Du es genießen oder warst Du zu sehr angespannt….?
DAVID: Vor dem Rennen habe ich versucht, mich so wenig wie möglich von der unfassbaren Kulisse ablenken zu lassen. Als ich den zweiten Lauf dann aus dem Ziel angeschaut habe, war es schon verrückt zu sehen wie viele Leute tatsächlich da waren.
SBW: Was dürfen wir von Dir noch erwarten, bspw. in den nächsten Rennen oder im nächsten Winter, sind schon weitere Einsätze geplant, was sagen die DSV Headcoaches…?
DAVID: Die DSV Leute wie Sportdirektor Wolfgang Maier und Bundestrainer Berthold haben mir von Anfang an zugesichert, mir die Türen offen zu lassen, wenn die Leistung stimmt, auch wenn ich in den USA bin. Diese Saison stehen noch die College Meisterschaften an, welche den Saisonhöhepunkt für das Uni Team darstellen. Danach fliege ich nach Kanada, wo das Nordamerika Cup Finale stattfindet in dem ich um den Slalomtitel kämpfe. Ich gehe mit 150 Punkten Vorsprung in die letzten zwei Rennen.
Ich plane nächste Saison so viele Slalomweltcups wie möglich zu fahren. Ich habe eine gute Startnummer und bin gut in Form.
SBW: ich habe Deine aktuellen Videos studiert, Du hast technisch ‚einiges dazugemacht‘, ich bin ‚dezent begeistert‘, trotzdem: wo würdest Du aktuell noch technische Verbesserungspotentiale bei Dir sehen…?
DAVID: Die größte Herausforderung wird es sein, mich vom amerikanischen Schnee auf die Bedingungen im Weltcup umzustellen. Sowohl meine Technik, als auch mein Material.
SBW: Hast Du noch Kontakt zu Deinen SBW Jahrgangskollegen aus Oberstdorf, Paul Sauter, Max Maas, Heiner Längst sowie Ann Kathrin Magg? Die sind alle auch im EC unterwegs und versuchen den Sprung in den WC zu schaffen…?
DAVID: Die Zeitverschiebung macht es im allgemeinen nicht leicht, aber durch whatsapp und facetime kann man es doch ab und zu arrangieren, sich zu sprechen oder sogar zu sehen.
SBW: Letzte Woche war Markus Wasmeier in SWR ‚Sport im Dritten‘ , er sieht die Entwicklung von Ski alpin in BA-WÜ eher kritisch – nach Katja Seizinger und Stefan Keppler und Maren Wiesler sind keine Talente in BA-WÜ sichtbar….was würdest Du ihm entgegnen…?
DAVID: Ich bin ehrlich gesagt durch die große Distanz gar nicht im Bilde wie die Situation im Nachwuchs zurzeit ist! Ich kann es nur jedem ans Herz legen dranzubleiben, es ist unfassbar welche Möglichkeiten dieser Sport einem bieten kann!
SBW: Thema in ‚Sport im Dritten‘ war auch die Unterstützung durch die Schulen in BA-WÜ. Bei Dir hat dies durch den Wechsel ins Allgäu in den gemeinsamen Landeskader Bayern-BA WÜ gut funktioniert. Was denkst Du, wäre in Zukunft wichtig, um die Unterstützung für junge Talente noch zu verbessern….damit weitere Talente einen ähnlichen Weg wie Du schaffen können?
DAVID: Bei mir hat in Isny viel zusammengepasst. Ich hab mit meiner Gastfamilie einen Volltreffer gelandet und auch die Schule hat mich super unterstützt. Ich denke kurze Wege zwischen Schule und Trainingshang sowie das Training mit älteren und stärkeren sind sehr wichtige Faktoren!
SBW: ‚Kette‘, ganz herzlichen Dank für die offenen Worte, weiterhin Dir ne gute Zeit in ‚Amiland‘ und v.a. weiterhin viel sportlichen Erfolg….!!



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